JSD Geschäftsbericht 2019
Mit dieser Entwicklung geht eine weiter steigende Nachfrage, vor allem nach Fachkräften, in der Kranken- und Altenpflege einher. Im Juni 2018 waren in Deutschland ca. 1,6 Mio. Pflege- kräfte in der Kranken- und Altenpflege sozialversicherungs- pflichtig beschäftigt. Im Vergleich zum Vorjahr war dies eine Zunahme um 45.000 Beschäftigte. Gleichwohl konnte die Zahl der in der Pflege Beschäftigten mit dem wachsenden Bedarf nicht Schritt halten und führte zu einer weiteren Erhöhung der Zahl der gemeldeten offenen Stellen. So waren im Jahres- durchschnitt 2018 23.900 Stellen für Arbeitskräfte im Bereich der Altenpflege und 15.700 Stellen für die Krankenpflege bei der Bundesagentur für Arbeit als offen gemeldet. Im Zehnjahresver- gleich hat sich damit die Zahl der gemeldeten offenen Stellen für Pflegekräfte mehr als verdoppelt. Der Anstieg der Nachfrage geht vor allem auf den zunehmenden Bedarf nach examinier- ten Fachkräften zurück. Hier besteht bei den Altenpflegekräften ein bundesweiter Fachkräftemangel, bei Krankenpflegefach- kräften besteht in fast allen Bundesländern ebenfalls eine Man- gelsituation. Behindertenhilfe Mit Inkrafttreten des Gesetzes zur Stärkung der Teilhabe und Selbstbestimmung (BTHG) zum 01. Januar 2017 wurde der Re- formprozess der Eingliederungshilfe in Gang gesetzt. Während sich die Reformstufen 1 und 2 zunächst auf Neuregelungen zu Freibeträgen, Veränderungen im Schwerbehindertenrecht und zu Maßnahmen im Bereich „Teilhabe am Arbeitsleben“ be- schränkten, hat nun die 3. Reformstufe (Umsetzung ab dem 01. Januar 2020) Auswirkungen auf die bisherigen vollstationä- ren Einrichtungen der Eingliederungshilfe. In der 3. Reformstu- fe werden die sogenannten existenzsichernden Leistungen und Fachleistungen getrennt. Hierfür wurden in 2019 neue Rahmen- verträge mit den Ländern Berlin und Brandenburg geschlossen, welche Übergangslösungen bis zur nächsten Reformstufe zum 01. Januar 2023 beschreiben und eine budget- neutrale Umstellung für die besonderen Wohn- formen sichern. Auch die wirtschaftliche Situation der Kran- kenhäuser hat sich laut Krankenhaus Baro meter deutlich verschlechtert. Demnach haben 2018 rund 40% der Krankenhäuser Verluste geschrieben (2017: 30%). Ferner schätzt nur noch jedes fünfte Krankenhaus seine wirtschaftliche Lage als gut ein. Die Aussichten sind ebenfalls getrübt: Nur rund 17% der Häuser erwarten eine Verbesse- rung, 44% hingegen eine Verschlechterung ihrer wirtschaftlichen Situation. Ambulante Versorgungs einrichtungen Seit der Einführung des Medizinischen Ver- sorgungszentrums (MVZ) als Kooperations- form in die Versorgungslandschaft im Jahr 2004 ist die Anzahl der MVZ stetig gestie- gen. Im Jahr 2018 waren 3.173 MVZ zu ver- zeichnen. Hiervon waren rund 1.387 MVZ in Trägerschaften von Krankenhäusern (2017: 1.163 MVZ). Zurückzuführen ist der starke Zuwachs u. a. auf das am 23. Juli 2015 in Kraft getretene GKV-Versorgungsstärkungsgesetz, welches die Einführung fachgleicher MVZ ermöglicht. Pflege &Wohnen In Deutschland steigen die Zahl älterer Men- schen und ihr Anteil an der Bevölkerung stetig. Da Menschen mit steigendem Alter vermehrt pflegebedürftig sind, wächst auch die Anzahl der pflegebe- dürftigen Personen. In 2018 zählte das Bundesministe- rium für Gesundheit 3,7 Mio. Leistungsberechtigte in der sozialen Pflegeversicherung nach 3,4 Mio. im Vorjahr. Von den Leistungsberechtigten wurden ca. 2,9 Mio. Personen ambulant und ca. 0,8 Mio. Personen stationär betreut. Bis zum Jahr 2030 erwartet das Ministerium einen An- stieg auf 4,6 Mio. pflegebedürftige Personen. Mio. 4,6 Pflegebedürftige Bis 2030 LAGEBERICHT Johannesstift Diakonie Geschäftsbericht 2019 63 L AGE B E R I CHT II. Wirtschaftsbericht
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